Nothilfe für Ostafrika

Die Ostafrikanische Provinz der Jesuiten bittet um Unterstützung für Nothilfemaßnahmen in den besonders von der Hungersnot betroffenen Gebieten im Südsudan, Äthiopien und Nordkenia: "Nichtstun ist in dieser Situation keine Option.“

Vor allem im Bürgerkriegsgebiet im Südsudan eskaliert die Situation in der Dürreregion. Mit einem Notfallprogramm versuchen die Jesuiten der Provinz Ostafrika die Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Doch ihre Mittel sind begrenzt – Hilfe von außen tut Not.

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Jesuiten intervenieren in Südsudan und Nord-Kenia (Update Juli 2017)

Fragile Hoffnung: Schulkinder in Maban (Südsudan)

Die Jesuiten der Provinz Ostafrika unterhalten Projekte in sechs ostafrikanischen Ländern: Kenia, Uganda, Tansania, Südsusan, Sudan und Äthiopien. Die Auswirkungen von Dürre und Hungersnot erleben die Jesuiten und ihre Mitarbeiter daher täglich in ihren Schulen und Gemeinden. Die Klassenzimmer der meisten öffentlichen und privaten Schulen werden angesichts der Lebensmittelknappheit immer leerer, da sich ganze Familien auf die Suche nach Nahrung und Wasser machen. Hunderte Familien wenden sich hilfesuchend an die Pfarreien; die Grundversorgung bricht zusammen, in den Bürgerkriegs-Regionen sind viele Menschen ohne Schutz und Obdach.

In seinem aktuellen Bericht zeichnet Pater Kyara ein düsteres Bild von der Lage in der Region: „Das Leid der Menschen steigert sich zu einer Katastrophe von beispiellosem Ausmaß, da keine Vorhersagen möglich sind, wie lange die Dürre und die bewaffneten Konflikte andauern werden.“ Während in Kenia Trockenheit für die Hungersnot verantwortlich ist, verschlimmert im Südsudan zusätzlich der Bürgerkrieg die Situation immens: „Die Menschen in den betroffenen Regionen – vor allem Kinder und Frauen – benötigen dringend Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung sowie psychologische Hilfe!“

Zusammenarbeit mit den Diözesen

Vom Engagement der Jesuiten profitieren insgesamt knapp 3000 Menschen in 585 Haushalten in Jabel Kheri, Akol Jal und Cuiebet (Südsudan), Lodwar, Pokot and Baringo (nördliches Kenia). In Gebieten ohne jesuitische Präsenz arbeitet die Provinz mit vertrauenswürdigen Partnerorganisationen und anderen religiösen Einrichtungen zusammen und ist in die Planung und Überwachung der Maßnahmen eingebunden. So koordiniert etwa in einigen Gegenden Nordkenias das Jesuit Hakimani Centre gemeinsam mit den lokalen Diözesen und den Franziskaner- und Nazareth-Schwestern Hilfsmaßnahmen; im Südsudan sind die Jesuiten an drei Standorten in Wau und Rumbek für die Programme verantwortlich, wo sie, soweit möglich, mit den lokalen Behörden zusammenarbeiten. Zudem werden die Entwicklungsbüros der Provinz die Verantwortung für die Verteilung der Spenden übernehmen.

In Wau (Südsudan) arbeiten derzeit sechs Jesuiten in Vollzeit. Einer von ihnen leitet ein eigenes Programm, um die Bedürftigen außerhalb der Schule zu erreichen. Die Diözese stellt dafür ihre Kirche und die Schulen zu Verfügung. Das reguläre Ernährungsprogramm an der Loyola Schule läuft weiter, solange die Schule ihren Betrieb aufrechterhalten kann. Der langfristige Plan war, dieses Programm durch nachhaltige Landwirtschaft auszuweiten, aber die Möglichkeit zur Umsetzung und das Gelingen hängt von der Sicherheit vor Ort ab.

Zusätzliche Maßnahmen, etwa für die Grundschule und einige Familien in der Nachbarschaft, können aus Personalmangel nur in dieser akuten Phase durchgeführt werden. Grundsätzlich können die Jesuiten nur Gebiete erreichen, die nahe an den Einrichtungen liegen. Einige Regionen sind aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht zu erreichen.

Ostafrika Nothilfe

Binnenflüchtlinge im Südsudan. Bild: Angela Wells, Jesuit Refugee Service

Die Länder am Horn von Afrika sind mit der schwersten Dürre seit 1945 konfrontiert. Bereits 2016 beeinträchtigte die Trockenheit durch das Wetterphänomen El Niño die Getreideproduktion und Viehwirtschaft. Im Ergebnis sind die Lebensmittelpreise regelrecht explodiert. Es gibt zahlreiche Konflikte um die schrumpfenden Weideflächen und massive Verluste beim Viehbestand und Wildtieren. Kriegerische Auseinandersetzungen in der Region und Millionen Menschen auf der Flucht verschärfen das Problem erheblich.

Kenia

Im Februar 2017 hat die Regierung aufgrund der anhaltenden Trockenheit den nationalen Notstand erklärt. 23 von insgesamt 47 Verwaltungsbezirken gelten als Hungergebiete. Das kenianische Rote Kreuz schätzte bereits nach der wenig ergiebigen Regenzeit im November letzten Jahres die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen auf 2,7 Millionen.
Begleitet wird die Dürre durch den Kampf um die mageren Ressourcen. Dies führt immer wieder zu ethnischen Zusammenstößen, die in den Bezirken Baringo, Turkana und Elgeyo Marakwet schon Dutzende Todesopfer forderten.

Äthiopien

Vor allem im Osten des Landes benötigen seit Januar 2017 mindestens 5,6 Millionen Menschen Nahrungshilfen. Die Situation ist hier kaum zu kalkulieren. Die Zahlen der Hilfsbedürftigen ändern sich ständig, da viele Flüchtlingsfamilien aus Somalia in das Land strömen.

Südsudan

Das Land kommt nach den Kämpfen im Bürgerkrieg kaum zur Ruhe. Immer wieder flammen Kämpfe in unterschiedlichen Regionen des Landes auf. Viele Menschen sind Binnenflüchtlinge, also Vertriebene im eigenen Land. 3,8 Millionen sind auf Nahrungshilfe angewiesen, ein Drittel der Kinder in den Flüchtlingscamps ist bereits unterernährt. Die am schlimmsten betroffenen Bundesstaaten sind Unity und Bahr el Gazal.

Bitte um Unterstützung

Joseph Afulo SJ

Zur Ostafrikanischen Provinz der Jesuiten gehören Kenia, Uganda, Tansania, Südsudan, Äthiopien und der Sudan. In den Schulen, Gemeinden und anderen Einrichtungen und Projekten erleben die Jesuiten und ihre Mitarbeiter täglich die Realität und Auswirkungen der Hungersnot. Ein erstes Warnzeichen ist immer das Fernbleiben von Schülerinnen und Schülern, das auf eine Knappheit von Nahrungsmitteln hindeutet. Dann „verschwinden“ ganze Familien, weil sie sich auf die Suche nach Nahrung und Wasser machen. Schließlich melden sich hunderte von Menschen bei den Pfarrgemeinden mit der Bitte um Hilfe und Schutz.

In dieser Lage bittet Pater Joseph Oduor Afulo SJ, der Provinzial von Ostafrika, um unsere Unterstützung: „Wir müssen erkennen und eingestehen, dass das Ausmaß dieser Krise unsere personellen und finanziellen Mittel vor Ort bei weitem übersteigt. Aber Nichtstun ist in dieser Situation keine Option. Unsere Hoffnung ist, dass unsere Maßnahmen einen kleinen aber bedeutenden Beitrag leisten zur Rettung von Leben unschuldiger Opfer dieser humanitären Krise.“

Was gebraucht wird

Corbinian Kyara SJ

Über das Netzwerk der jesuitischen Einrichtungen und in Zusammenarbeit mit anderen Ordensgemeinschaften und deren lokalen Präsenzen werden Grundnahrungsmittel, sauberes Trinkwasser sowie dringend benötigte Medikamente und Kleidung an Bedürftige ausgegeben. Die Provinz kalkuliert die Kosten pro Monat auf 21,40 Euro pro Person. 20-25.000 Menschen können die Jesuiten auf diesen Wegen erreichen. Koordiniert werden die Maßnahmen durch Pater Corbinian Kyara SJ, den Direktor des Entwicklungsbüros der Provinz. Je nach Entwicklung der Situation, insbesondere im Hinblick auf die erwartete Regenzeit bis Juni, wird entschieden, ob das Programm über Juli hinaus fortgeführt wird.

Nichtstun ist keine Option

Die Jesuiten sind global aufgestellt, aber keine Organisation der Katastrophenhilfe. Wir haben keine Transportflotte und kein Bereitschaftspersonal, das kurzfristig an jeden Brennpunkt der Welt verlegt werden kann. Der Schwerpunkt unserer Arbeit ist nicht die akute Nothilfe, sondern die langfristige Entwicklung und das Leben mit den und für die Menschen an den Rändern der Gesellschaft. Diese Nähe und Verbundenheit mit den Menschen vor Ort macht uns sensibel für ihre Nöte und ihr Leid. Und sie lässt uns hautnah das Gefühl der Machtlosigkeit und Überforderung erfahren.

„Nichtstun ist keine Option“ wie Pater Afulo sagt, ist der wohl prägnanteste Ausdruck dieser Gefühle. Die Symptome kurieren, während die Ursachen unbehandelt bleiben oder zurückstehen müssen, ist wenig nachhaltig. 20-25.000 Menschen helfen, während Millionen auf Rettung hoffen, erscheint nicht als Heldentat. Aber wir helfen vor Ort so, wie wir können und leisten das, was uns möglich ist. 428.000 Euro erbittet die Provinz monatlich, um zumindest dies tun zu können: Danke für Ihre Unterstützung!

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