Hoffnung für Kakuma

Kakuma, im Norden Kenias, gilt als eines der größten Flüchtlingslager der Welt. 186.000 Menschen aus den ostafrikanischen Anrainerstaaten suchen dort Schutz vor Gewalt, Vertreibung und Dürre. Viele resignieren in den Camps. Vor allem die Kinder brauchen Vertrauen in die Zukunft.

Zehn Kilometer Flüchtlingslager

68,5 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Allein 10 Millionen von ihnen stammen aus den drei Ländern Südsudan, Somalia und DR Kongo. Sie suchen vor allem in Nachbarländern wie Uganda, Äthiopien, Tansania und Kenia Schutz vor Bürgerkrieg, Gewalt, Vertreibung und Nahrungsmangel. Kakuma, im Norden Kenias, gilt als eines der größten Flüchtlingslager der Welt – in den letzten Monaten ist der Zustrom aus dem Nachbarland Südsudan rapide gestiegen.

Ein Dorf mit 186.000 Einwohnern

Per Luftbrücke organisieren das Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen die Versorgung im Lager. Bereits im Jahr 1992, also vor über 25 Jahren, ist es neben einem Dorf entstanden. Aus Südsudan, Äthiopien, Somalia, Kongo und Burundi sind im Laufe verschiedener Kriege und Krisen Flüchtlinge gekommen. In den letzten Monaten ist der Zustrom aus dem Südsudan wieder rapide gestiegen. Aktuell leben 186.000 Flüchtlinge im Lager, mehr als die Hälfte von ihnen ist unter 18 Jahre alt. Das Flüchtlingslager erstreckt sich mittlerweile über zehn Kilometer und ist in vier Etappen gewachsen.

Basiskorb und Handy-Geld

Michael Onyango, der JRS-Programmdirektor, berichtet: „Wir sind 25 JRS-Mitarbeiter hier. Zwölf sind im NGO-Lager vor dem Camp untergekommen, das etwa 250 NGO-Mitarbeitern Platz bietet. Die anderen leben bei ihren Familien in Kakuma oder sie haben ein Zimmer im Dorf gemietet. Im Camp selber haben wir unter den Flüchtlingen 300 Freiwillige, die in den verschiedenen JRS-Programmen mitarbeiten.“ Einmal im Monat gibt es Essensversorgung: Grundnahrungsmittel werden an die Familien im Flüchtlingslager ausgegeben sowie ein zusätzlicher Geldbetrag, der von der Anzahl der Familienmitglieder abhängig ist. Für eine fünfköpfige Familie beläuft sich die Summe auf 1.000 kenianische Schilling, was umgerechnet rund acht Euro entspricht. Das Geld wird als Einkaufswert auf die Mobiltelefone geladen und kann in ausgewählten Geschäften genutzt werden.

Hilfe für Flüchtlinge mit Handicap

Die Arbeit der Jesuiten ist mit dem Lager mitgewachsen. Es gibt genau fünf JRS-Zentren, in denen vor allem jene Flüchtlinge Hilfe und Unterstützung finden, die besonderen Schutz brauchen. Entweder, weil sie eine Behinderung haben, an einer mentalen Krankheit leiden oder von sexueller Gewalt bedroht sind. Insgesamt sind es über 260 Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die mit ihren besonderen Bedürfnissen Bildung und Förderung erfahren. Ziel ist, die Kinder, so weit es geht, in den normalen Unterricht einzugliedern. Für die Eltern gibt es Hilfestellungen für den Umgang mit ihren Kindern. Ansatz des Projekts: Indem wir Flüchtlingen mit Behinderungen helfen, ihr individuelles Potenzial zu entwickeln, sensibilisieren wir ihre Umgebung gleichzeitig dafür, dass sie Fähigkeiten haben und dieselben Rechte wie alle anderen.

„Sichere Häfen“ nicht nur für Frauen und Mädchen

Die Begleitung von Frauen und Kindern, die auf der Flucht oder im Lager Gewalt an Körper und Seele erlebt haben, gehört sicher zu den herausforderndsten Bereichen des JRS-Einsatzes in Kakuma. Safe Haven, sicherer Hafen, heißt das Schutzzentrum im ersten Bezirk des Flüchtlingslagers. 62 Frauen und Kinder leben hier. Im dritten Bezirk gibt es einen Safe Haven speziell für Jungs: Die meisten der über zwanzig Kinder und Jugendlichen waren vorher auf sich allein gestellt ohne schützenden Familienhalt. Sie alle haben Gewalt und Bedrohung oder Verletzung ihrer Integrität erlebt. Hier können sie leben. Zur Schule gehen sie gleich gegenüber.

80.840 Kinder – und viel zu wenig Lehrer

Die Aus- und Fortbildung von Lehrern und Lehrerinnen gehört zu den dringendsten Aufgaben in Kakuma. Nach aktuellen Zahlen des UNHCR sind 80.840 Kinder und Jugendliche im Flüchtlingslager zwischen fünf und 17 Jahren alt. Es gibt 21 Schulen, die einzelnen Klassen können bis zu 200 Kinder umfassen. Es gibt zu wenig Lehrer. In sechsmonatigen Kursen vermittelt der JRS pädagogisches Grundlagenwissen und praktische Unterrichtsmethoden. Alle Absolventen bekommen einen Job in einer Schule. Sie werden während ihrer Unterrichtstätigkeit weiter begleitet und kontinuierlich fortgebildet: „Fast alle unsere Studenten unterrichten jetzt schon – sie holen eine bessere Ausbildung nach. Lehrer sind hier einfach sehr gefragt.“

Ungebrochener Lerneifer

Kenia, Südsudan, Äthiopien, Uganda – in diesen vier ostafrikanischen Ländern ist der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) aktiv. „17 Jahre verbringt ein Flüchtling hier durchschnittlich in einem Lager“, sagt Endashaw Debrework. Der äthiopische Jesuit leitet den JRS Ostafrika: "Viele der jungen Leute sind in den Lagern aufgewachsen. Meistens dürfen sie außerhalb der Camps nicht arbeiten und sich auch nicht frei bewegen. Viele verzweifeln daran. Wie im kenianischen Kakuma hilft der JRS in vielen ostafrikanischen Flüchtlingslagern mit psychosozialer Begleitung und mit Bildung. Der Lerneifer der südsudanesischen Kinder auf dem Foto ist mit Händen zu greifen. Noch ist ihr Vertrauen in die Zukunft nicht gebrochen.
Helfen wir gemeinsam, dass es so bleibt. 50 Euro pro Kind und Monat kosten Schulbildung, Hefte, Kleidung und Essen im Flüchtlingslager.

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Hans Tschiggerl SJ berichtet über das Leben in Kakuma

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