10 Jahre Menschen für Andere

Mit einem Votrag der Chefredakteurin der Zeitschrift China heute und Mitarbeiterin des China-Zentrums in Deutschland Katharina Wenzel-Teuber M.A, Gästen, Freunden und Wohltätern sowie einem köstlichen Buffet haben wir unser 10- jähriges Jubiläum im Kardinal König Haus gefeiert. Wir bedanken uns für Ihr Erscheinen und für die langjährige Unterstützung der Jesuitenmission Österreich.

Jubiläumsfeier

Trotz hochsommerlicher Außentemperaturen durften wir am Freitag unsere Gäste zur 10 Jahres –  Feier „Verein Menschen für Andere“  im Kardinal König Haus begrüßen. Die Jesuitenmission selbst war vertreten durch den österreichischen Provinzial und Vereinsobmann P. Bernhard Bürgler SJ, Missionsprokurator P. Klaus Vathröder SJ, der aus Deutschland angereist ist, sowie durch unsere Geschäftsführerin Katrin Morales und das ganze Team. Ehemalige Freiwillige von Jesuit Volunteers, Jesuiten, Freunden und Wohltäter der Jesuitenmission und auch einige Gäste aus dem Ausland haben das Jubiläum mit uns gefeiert.

China-Zentrum

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag über die katholische Kirche in China beziehungsweise jene Person, die uns darüber berichtete: Katharina Wenzel-Teuber M.A., Chefredakteurin der Zeitschrift China heute und Mitarbeiterin des China-Zentrums in Deutschland, hat ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit uns geteilt. Das China-Zentrum e.V. besteht seit 1988. Zweck des als gemeinnützig anerkannten Vereins ist die Förderung von Begegnung und Austausch zwischen den Kulturen und Religionen im Westen und in China. Mitglieder des China-Zentrums sind katholische Hilfswerke, Orden, zu denen auch die Jesuiten mit der deutschen und österreichischen Provinz zählen, und Diözesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien.

Matteo Ricci

Und wie der der Zufall oder doch die Organisation es so wollte, wurde der Vortrag ausgerechnet in den „Matteo Ricci Saal“ platziert. Die Besonderheit dahinter? Der italienische Jesuit Matteo Ricci, geboren am 06. Oktober 1552 in Macerata, war einer der bedeutendsten Vertreter von Ideen der europäischen Renaissance in China und vermittelte gleichzeitig zum ersten Mal in der Geschichte von Europa systematische Kenntnisse über Gesellschaft, Geschichte und Kultur der Chinesen in der späten Ming-Zeit. Nachdem er das Jesuitengymnasium in seinem Geburtsort besuchte und anschließend Rechtswissenschaften, Theologie und Philosophie in Rom sowie Naturwissenschaften bei dem Bamberger Gelehrten Christopher Clavius studierte, wurde Ricci 1578 nach Goa und 1582 nach Macao, dem portugiesischen Handelsstützpunkt und Eingangstor zum chinesischen Reich gesandt, um die chinesische Sprache zu erlernen. Ein Jahr später gelang es ihm mit seinem Ordensmitbruder Michele Ruggieri, erstmals eine christliche Niederlassung im Inneren des abgeschotteten chinesischen Reiches zu gründen. Am 24. Jänner 1601 traf die Erlaubnis von Kaiser Wan-Li ein, die ihm die Tore Pekings öffnete. Ricci verfasste zahlreiche Bücher in chinesischer Sprache und sah in der chinesischen Weisheit deutliche Spuren und Zeichen seines Gottes und vereinbarte so die Autorität des Konfuzius und die Ahnenverehrung mit dem christlichen Glauben. Das ist auch der Grund warum der Raum mit Fotos und Büchern von Matteo Ricci geschmückt ist.

Bgrüßung der Gäste

Nach Begrüßung der Gäste und der Vortragenden durch P. Bernhard Bürgler SJ, der seine Ansprache mit einer selbst gestalteten Karte startet: „geistlich, herzlich, praktisch“ –  Ja, so soll die Zusammenarbeit und Arbeit in China aussehen, und P. Klaus Väthröder SJ, der durch seine kürzlich stattgefundene China Reise mit unserer Geschäftsführerin Katrin Morales selbst gut informiert ist über die Lage, durften wir in aller Ruhe und Kühle dem Vortrag von Frau Wenzel-Teuber lauschen.

Die Katholische Kirche in China – Gestern und Heute

Nach einem kurzen Überblick über das „Gestern“, zeigt uns Frau Wenzel-Teuber, anhand von Artikel 36 der chinesischen Verfassung, wie schwierig das“ Heute“ der Glaubens- und Religionsfreiheit eigentlich immer noch ist:

„Die Bürger der Volksrepublik China genießen die Freiheit des religiösen Glaubens. Kein staatliches Organ, keine öffentliche Organisation oder Einzelperson darf die Bürger zwingen, an irgendeine Religion zu glauben oder nicht zu glauben. Noch dürfen sie Bürger, die an eine Religion glauben oder nicht glauben, diskriminieren. Der Staat schützt normale religiöse Aktivitäten. Niemand darf Religion benutzen, um sich an Aktivitäten zu beteiligen, die die öffentliche Ordnung stören, die Gesundheit der Bürger beeinträchtigen oder das Bildungssystem des Staates stören. Religiöse Einrichtungen und religiöse Angelegenheiten unterliegen keiner ausländischen Herrschaft.“

Die Interpretationsfreiheit des Artikels ist groß, wie unschwer erkennbar ist und auch sie selbst sagt. Denn was sind „normale religiöse Aktivitäten“? Die katholische Kirche mag etwas anderes darunter verstehen als der chinesische Staat. So ist es auch mit dem Unterschied zwischen Religions- und Glaubensfreiheit, die nicht in gleichem Ausmaß gegeben sind. Denn glauben zu dürfen, heißt nicht automatisch frei praktizieren zu dürfen. Das zeigt die chinesische Regierung, indem sie diese unsichtbaren Grenzen durch das staatliche Religionsamt überwacht. Das hat dazu geführt, dass sich neben den offiziellen Kirchen sogenannte Untergrundkirchen gebildet haben. Untergrundkirchen und -bischöfe nennen sich jene, die zwar vom Vatikan, nicht aber von der Volksrepublik China anerkannt wurden. Manche Gebäude sind von außen als Kirchen erkennbar und werden von den lokalen Behörden toleriert, andere wiederum verstecken sich hinter normalen Häusern. Besonders zwischen Stadt und Land gibt es große Unterschiede in der Präsenz und Gestaltung der Kirchen  und Kirchenräume. Nicht zuletzt durch die immer stärker ausgeprägte Urbanisierung, die auch vom chinesischen Staat gefördert wird.  Auf andere Einschränkungen, die etwa die „ausländische Herrschaft“, wie sie in der Verfassung festgehalten ist, betreffen, macht die Vortragende aufmerksam, indem sie auf ein neueres Abkommen hinweist. Das vorläufige  Abkommen über die Ernennung von Bischöfen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China. Allerdings hat die Öffentlichkeit wenig oder keinen Einblick über den Inhalt des Dokuments, das eigentlich einen Weg des Dialogs und des wachsenden Verständnisses zeigen soll. Interessanterweise wurden Papst Franziskus und der jetzige Staatspräsident Xi Jinping, also jene Männer, die für das Abkommen zuständig sind,  zeitgleich am 13. und 14. März 2013, innerhalb weniger Stunden durch die Zeitverschiebung zu ihren Ämtern gewählt. Diese Tatsache und das Abkommen selbst ändert aber nichts an der insgesamt angespannten Lage, sagen Kritiker. Die Unterdrückung der Kirche durch die Regierung sowie die Unabhängigkeit vom Ausland, wie sie China bezeichnet, ist durch diverse Vorfälle deutlich spürbar:

Beamte, die  vor den Kirchen platziert sind, überwachen in einer wachsenden Zahl von Orten die Eingänge der Kirchen, um Minderjährigen den Eintritt zu verwehren.  Aber so extrem ist die Situation nicht immer und nicht überall, sagt Frau Wenzel-Teuber. Es gibt nicht viele Katholiken in China, aber für jene, die da sind, versucht man im Rahmen des Möglichen das Beste zu machen.

Fragerunde und Feierlichkeiten

Und mit Abschluss dieses sehr interessanten Vortrags, einem großen Applaus des Publikums und der Dankesrede von unserer Geschäftsführerin Katrin Morales starten auch schon die ersten Fragen, die sie moderiert und die Vortragende beantwortet. „Wie bringt man die Kinder der Kirche näher? Wie vermittelt man ihnen Spiritualität, wenn sie keine Möglichkeit mehr bekommen, die kirchlichen Stätten aufzusuchen?“, startet ein Gast die Diskussionsrunde. In diesem Fall spielen Eltern und Sommerprogramme eine große Rolle. In anderen Fällen werden die Bischöfe dazu gedrängt, Mitglied der „Patriotischen Vereinigung“ zu werden. So auch Bischof Vincenzo Guo Xijin, der beim Abkommen vom Vatikan als Diözesanbischof „geopfert“ wurde, um Platz für einen „Patrioten“-Bischof zu machen. Auch Verhaftungen und Hausarrest sind nicht ausgeschlossen, wie uns ein Gast mitteilt, der von so einem Fall berichtet. Der betroffene Bischof soll aber mittlerweile frei sein. Klar ist, einfach ist die Situation nicht und klar ist auch, dass es mehr als ein Abkommen braucht, um dies zu ändern. Gespräche und Dialoge, Geduld und viel harte Arbeit. Das sehen auch unsere Gäste so, die viel Interesse und viele Fragen mitgebracht haben, so viele, dass unsere Geschäftsführerin zu einem Raumwechsel auffordert, wo kulinarische Köstlichkeiten bereits warten und die restlichen Fragen noch bei einem Buffet besprochen werden können. Denn bei einem Jubiläum und einem schönen Abend, darf das gute Essen schließlich nicht fehlen. Dafür und für die Organisation bedanken wir  uns beim Kardinal König Haus, das hier sehr gute Arbeit geleistet hat.

Verfasserin: Sara Gratt

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