Klimaschutz weltweit

Klima, biologische Vielfalt, Beschaffenheit der Böden und Meere: Unser Verhalten entscheidet über unsere Lebensgrundlagen. In Amazonien, Sambia, Kambodscha und Indien kämpfen wir für ihren Erhalt und finden mit unseren Partnern Wege aus Armut und Landflucht

Alles ist verbunden

Im Amazonasbecken, im Kongo und in Südasien werden große Waldflächen vernichtet, zugunsten der Profiteure einer Wirtschaft, die nicht der Versorgung von Menschen, sondern der Ausbeutung dient. Dass eine nachhaltige und gerechte Erholung der Ressourcen alles Leben mit einschließt, können wir zusammen mit den indigenen Völkern wieder neu lernen. Mit Ihrer Hilfe unterstützen wir unsere Projektpartner dabei, Initiativen und Plattformen in Latein­amerika, Afrika und Asien zu stärken, um denen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden und doch so viel zu sagen haben.

Amazonien: Invasion durch den Staat

In einem beeindruckenden Statement berichtet Anatalia Pijachi vom Stamm der Uitota von ihren Erfahrungen. Sie lebt in einem Gebiet nahe Letizia in Kolumbien und arbeitet mit SJPAM, dem Amazonas-Netzwerk der Jesuiten zusammen. Für Anatalia wirkt die Corona-Pandemie wie ein Brennglas: „Unsere Erinnerung an die Zeit der Kolonialisierung kommt zurück. Wir sind isoliert und rechtlos. Die Invasion des Staates und der extraktiven Industrien auf unserem Territorium ist noch größer und gewalttätiger als zuvor. Unsere Gebiete werden militarisiert, die Menschen kontrolliert. Was einige von uns in den Städten gesucht haben, kann uns jetzt nicht mehr helfen. Es gibt dort keine Lebensmittel und keinen Zugang zu Bildung mehr, auch keine prekäre Arbeit wie im Folklore-Tourismus. Wir kehren zu unserem Land im Wald zurück, das jetzt unser Überleben sichert.“

Eine neue Partnerschaft

Anatalia betont, wie wichtig es ist, dass auch humanitäre Hilfe keine weiteren Abhängigkeiten schafft, sondern das Bewusstsein stärkt, dass wir aufeinander angewiesen sind: „Wir müssen aufeinander achtgeben“, sagt sie. So erklärt auch Alfredo Ferro SJ vom Jesuitennetzwerk SJPAM seine Arbeit: „Wir sind ein Dienst, der Verbindungen knüpft, begleitet, insistiert, sich engagiert und eine Reihe von Aktionen unterstützt, immer zugunsten des Territoriums und der Völker Amazoniens.“ Der Kampf gegen die illegalen Rodungen steht dabei an vorderster Stelle.

Wider die „Projekte des Todes“

Wir begleiten wir eine Reihe von Partnern, die ganz konkret helfen, neue Beziehungen aufzubauen. Dazu gehört auch der indigene Missionsrat CIMI im Norden Brasiliens. Ihm geht es um Grundlagenarbeit für das nackte Überleben: sicherzustellen, dass die indigenen Völker ihre verfassungsmäßigen Rechte zur alleinigen Nutzung ihrer Territorien auch wahrnehmen können. Dies ist die erste Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und wendet sich konkret gegen vielfache „Projekte des Todes“, wie Adriana Huber Azevedo von CIMI sagt: die Weigerung der Behörden, territoriale Rechtstitel auszustellen und anzuerkennen, illegalen Abbau von Holz und Mineralien, illegale Besetzung von Territorien zu unterbinden und die Weigerung, indigene Völker an Beratungsprozessen zu beteiligen.

Das Überleben Amazoniens

Seit dem Amtsantritt der Regierung Bolsonaro gibt es das erklärte politische Ziel, diese Rechte zugunsten des Profits soweit wie möglichabzuschaffen. Die Methoden  dazu werden immer brutaler bis hin zu bewaffneten Angriffen mit Toten, die nicht weiter juristisch verfolgt werden. CIMI setzt sich ganz breit durch öffentliche Aufrufe, in Parlamenten, bei den Vereinten Nationen und vor allem bei Gerichten dafür ein, dass ein Zusammenleben der verschiedenen Völker und Gruppen im Amazonasgebiet möglich ist. Es geht nicht nur um eine ökologische, sondern auch eine soziokulturelle Diversität für ein gutes Leben für alle.

In diesem Rahmen unterstützen wir seit einiger Zeit den Schutz der indigenen Gruppen, die noch keinen oder kaum Kontakt zur Welt außerhalb ihres Territoriums hatten. Dies ist eine besonders wichtige und sensible Aufgabe und geschieht durch Reisen von lokalen Mitarbeitern von CIMI mit dem Kanu in extrem unwegsame Gebiete des Amazonas. Dabei wird die Existenz der indigenen Gruppen belegt, möglichst ohne mit ihnen in direkten Kontakt zu treten. Nur so können eine Anerkennung durch die Regierung und Rechtstitel gesichert werden.

Klimakrise und Not in Sambia

Auch in Afrika begleiten wir Schritte hin zu einem neuen Verhältnis zu unserer Umwelt. Diesen Weg hat gerade Claus Recktenwald SJ begonnen, der seit Sommer 2019 in Kasisi, Sambia, tätig ist. Als ausgebildeter Agrarwissenschaftler ist er zum Kasisi Agricultural Training Centre gestoßen, das sich entscheidend für den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft in einem Gebiet mit unsicheren Niederschlägen einsetzt.

Der Klima­wandel spielt bereits eine wichtige Rolle und sorgt für Ernteausfälle: Wie kann lokales Wissen über die Bedingungen vor Ort so mit modernem, technischen Wissen kombiniert werden, dass gerade auch Kleinbauern eine verlässliche Anbauperspektive und Einkommensmöglichkeit haben? Claus Recktenwald schreibt: „Die Veränderung des Klimas und die Not der Menschen rufen mich zu einem Engagement in diesem Feld. Eine Abschottung oder eine Globalisierung der Gleichgültigkeit sind keine Optionen. Unser Umgang mit der Umwelt und unsere Haltung gegenüber den Armen sind zwei Seiten der gleichen Medaille.“

Neue Initiativen für das Gemeinwohl

Und so gibt es neben der bestehenden Farm und der Ausbildungseinheit bereits viele weitere neue Ideen und Initiativen: die Zusammenarbeit mit Universitäten, um dort das praktisch gewonnene Wissen in den Lehrplänen zu verankern; der Aufbau einer ökologischen Saatgutproduktion, um die Biodiversität und die Eigenständigkeit der Bauern zu sichern; eine Biogasanlage; und vor allem ein System zur Sammlung von Plastikmüll. Dieses soll verhindern, dass wie bisher aller Abfall einfach verbrannt wird. Ziel ist, in der Zukunft möglichst alle Haushalte in Kasisi einzubinden.

Kambodscha: Kampf gegen Kettensägen

Das ökologische Programm der Jesuiten in Kambodscha kümmert sich um den Schutz von Prey Lang, dem größten immergrünen Wald in der Indo-Burma-Region. Kambodscha hat eine der höchsten Abholzungsraten, allein in den letzten 20 Jahren gingen 24 Prozent des Waldes verloren. In gemeinsamen Patrouillen mit der lokalen Bevölkerung und der Regierung können immer wieder Geräte zur illegalen Abholzung konfisziert werden. „Es waren intensive Tage, alle Sinne in Alarmstellung – auf der Suche nach Traktorspuren, mit offenen Ohren für die Bewegungen anderer Menschen und die leisesten Geräusche, die von Kettensägen oder Traktoren stammen könnten. Am Ende hatten wir vier Ladungen Holz und fünf Kettensägen eingesammelt“, schreibt Gabriel Lamug-Nanawa SJ.

600 Stecklinge in einem Monat

Es gibt auch eine Partnerschaft für Umweltbildung mit der Mittelschule in Phatsanday, die sich für den Schutz des Biosphären-Reservats in Stung Sen engagiert, das gleichzeitig eines der Hauptgebiete für den industriellen Fischfang ist. Allein im Juli konnten 600 neue Stecklinge für Bäume gepflanzt werden, die weiter von den Schülern gepflegt werden. Ein Öko-Club an der Schule sorgt für die nötige Organisation: „Die Schließung der Schulen hat die Schüler nicht davon abgehalten, sich weiter um die Stecklinge zu kümmern“, schreibt Gabriel über die aktuelle Lage, in der sich die Schüler auch noch um die lokale Baumschule kümmern.

„Watershed“ begrünt Maharashtra

Unsere Partner in Maharashtra, Indien, haben schrittweise, über viele Jahre ein umfassendes Entwicklungsprogramm für tribale Gemeinschaften ins Leben gerufen. Am Anfang standen unproduktive und durch Erosion vertrocknete Anbauflächen und die Notwendigkeit, Land wieder fruchtbar zu machen, damit es als Lebensgrundlage dienen kann. Das Programm „Watershed“ umfasst heute 57 Dörfer mit knapp 26.000 Teilnehmenden, 12.600 Hektar Land und 7,6 Millionen gepflanzte Bäume.

Zusammenarbeit, Kreativität, technisches Wissen

Bewässerung und Aufforstung waren die ersten entscheidenden Mittel. Eine integrale Entwicklung hat aber viele weitere Aspekte: Neue Techniken haben bald schon den Verkauf von Obst und Gemüse erlaubt. Günstige Kredite und Sparvereine haben die Anschaffung von Kühen möglich gemacht. Ein Schulungszentrum konnte gebaut werden, das Kurse im Gesundheitsbereich und Weiterbildung in der Landwirtschaft, Fischerei und für zusätzliche Einkommensquellen wie Nähen anbietet.
Damit konnten auch Frauen viel aktiver eingebunden werden. Die Verbesserung der Umweltbedingungen hat so zu einer Bewegung geführt, die einen sehr weitgehenden sozioökonomischen Wandel bewirkt, weil sie auf Zusammenarbeit, Kreativität und der Nutzung von technischem Wissen durch die Menschen in den Dörfern beruht. Diese sind heute nicht mehr gezwungen, ihr Leben aufzugeben und in die Städte abzuwandern, sondern können sich auf ihre nachhaltigen Ressourcen verlassen.

Projekt Klimaschutz

Länder:
Amazonien, Sambia, Kambodscha und Indien

Partner:
Alfredo Ferro SJ (SJPAM), Adriana Huber Azevedo (CIMI), Claus Recktenwald SJ (KATC), Robert D’Costa SJ (Jesuiten-Provinz Pune / Indien), Gabriel Lamug-Nañawa SJ (Jesuit Service Cambodia)

Zielgruppe:
Indigene Bevölkerungsgruppen, lokale Gemeinschaften, Kleinbauern, Schüler

Kontext:
Bewahrung der Schöpfung und indigenen Identität, Erhalt der Lebensgrundlage durch Aufforsten der Wälder und Schutz der Wasserkreisläufe, Vermittlung von Öko-Landwirtschaft als Alternative zum Raubbau

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