Eine Test für die Menschheit

Die Pandemie betrifft die ganze Menschheit, doch die Auswirkungen sind doch sehr unterschiedlich, wenn man auf die jeweiligen Entwicklungsstadien der Länder blickt. Die, die im Lockdown unter sozialer Isolation leiden und jene, für die der Lockdown gleich bedeutend mit Hunger ist. Was für ein Unterschied zwischen der Gesundheitsversorgung in westlichen Ländern und vielen Krankenhäusern in den armen Ländern, für die Elektrizität und fließendes Wasser ein Luxusgut sind. Was für ein Unterschied zwischen den hunderten Milliarden von Euros, die die Europäische Union zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zur Verfügung stellt und den unzureichenden Maßnahmen vieler Länder im Globalen Süden, deren Regierungen nicht den Willen oder die Mittel haben, ihren Bürgern in der Not zu helfen.

Erfolg durch Solidarität

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, hat die Corona-Pandemie als größten Test für die Menschheit seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Ein Erfolg könne nur durch koordinierte, gemeinsame Anstrengungen aller Länder und Regierungen gelingen. Erfolg sei nur „möglich durch Solidarität, wenn jeder mitmacht und wenn wir politische Spiele vergessen und verstehen, dass die Menschheit auf dem Spiel steht“, unterstreicht der UN Generalsekretär. Es ist nicht nur ein Test für die Zusammenarbeit der internationalen Staatengemeinschaft, sondern auch ein Test für die globale Hilfsindustrie. Öffentliche Gelder der reichen Länder werden für die Bekämpfung der Folgen der Pandemie in den jeweiligen Ländern verbleiben und nicht mehr für die Entwicklung armer Länder zu Verfügung stehen.

Neuausrichtung in der Krise

Eine Krise ist immer auch ein Moment der Neuausrichtung. So wird sich die Art und Weise, wie die großen Hilfsorganisationen Hilfe leisten, vermutlich ändern. Noch wird die globale internationale Hilfe von den reichen und mächtigen Gebernationen kontrolliert. Die Empfänger müssen sich anpassen, externe Berater willkommen heißen und die Agenden der Geber übernehmen. Aber hat Corona nicht auch gezeigt, dass einige Länder im Globalen Süden die Pandemie trotz geringerer Ressourcen bisher besser managen als so manche Nation im reichen Norden? Allein die sogenannte Fitrana, ein Almosen in Form von Lebensmitteln, die am Ende des Ramadans an Bedürftige und Arme gegeben wird, übertrifft die gesamte jährliche Verteilung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. Vergleichbares gilt für die christlichen Kirchen und die Almosenpraxis anderer Religionen.

Praxis der Jesuitenmission

Auch die Anstrengungen der Jesuitenmission zielen darauf, die Arbeit unserer Partner vor Ort zu unterstützen und nicht von außen Projekte, Maßnahmen und Ziele vorzugeben. Es geht darum, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Ärmsten und Schwächsten abzumildern und ihnen zu helfen, diese schwierige Zeit zu überstehen. Dabei zeigt sich, dass es vor allem die organisierte Dorfgemeinschaft, die solidarische Nachbarschaft im Armenviertel oder die örtliche Pfarrgemeinde sind, die die lokalen Bedürfnisse kennen und schnell und effektiv reagieren können. Über Jahre hinweg haben wir eine solche Arbeit unterstützt und mitaufgebaut. Dies war eine gute Vorgehensweise, die sich in Zeiten einer globalen Krise auf lokaler Ebene bewährt
 und den Menschen wirksam helfen kann.

Beginn der zweite Hilfsphase

Von März bis Juli 2020 haben die Jesuitenmissionen von Österreich und Deutschland insgesamt 34 Projekte in 17 Ländern finanziert. Die einzelnen Projekte hatten jeweils ein Volumen zwischen 5.000 Euro und 25.000 Euro. Dank der Unterstützung unserer Wohltäter und Wohltäterinnen, die auf unseren Corona-Spendenaufruf bisher 1.121.990 Euro gespendet haben, hatten wir genügend Mittel für diese erste, akute Hilfsphase und können nun mit der langfristiger ausgelegten zweiten Phase der Hilfe beginnen.

Hotspot Indien

Die Jesuitenmissionen haben in der ersten Phase dort Projekte unterstützt, wo sie schon seit Jahren aktiv sind und die Partner gut kennen. Indien war ein Schwerpunkt, da es allein durch seine Größe mit 1,3 Milliarden Einwohnern und seiner Armutsrate von zwei Dritteln der Bewohner ein Hotspot der Pandemie ist. Durch den Lockdown verloren Millionen von Wanderarbeitern ihre Arbeit und machten sich zu Fuß auf in Richtung ihrer Heimatdörfer. Der Weg war lang, oft mehr als tausend Kilometer, doch schon bald war an den innerstaatlichen Grenzen kein Durchkommen. Diejenigen, die „Glück“ hatten, wurden von der Polizei in eines der 21.000 Auffanglager getrieben, die der Staat errichtet hatte. Die meisten strandeten komplett mittellos im Nirgendwo. Ein Teil fand Aufnahme in den Schulen, Kirchen und anderen Einrichtungen der Jesuiten, wo sie mit Essen, Medizin und Hygieneartikeln versorgt wurden. Dort warteten sie auf die Aufhebung des Lockdowns, um den Weg in ihre Heimatdörfer fortzusetzen.

System der Wanderarbeiter

Diese durch Corona verursachte Migrationskrise in Indien kann dazu beitragen, innezuhalten und über das wirtschaftliche Modell der Wanderarbeiter nachzudenken. Man spricht von 100 Millionen Menschen, die vom Land kommen und in den Metropolen Indiens zu Minimallöhnen schuften, um für andere Gewinne und Wohlstand zu schaffen. Auch Indiens Landwirtschaft hängt stark von den Wanderarbeitern ab. Werden diese Menschen nach Corona wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren? Ist es nicht auch eine Gelegenheit, um über das Schicksal der Wanderarbeiter, ihre Löhne und soziale Absicherung, ihre Unterkünfte und Ausbildung für die begleitenden Kinder nachzudenken und signifikante Verbesserungen einzuführen?

Vertrauen ist die Basis der Hilfe

Neben den vielen materiellen Hilfen, wie Unterkunft und Nahrung für die Wanderarbeiter in Indien, Hygieneartikeln für Flüchtlinge in Syrien und Uganda, Ausstattungshilfen für kirchliche Krankenhäuser in Simbabwe und vielem mehr, haben die beiden Jesuitenmissionen Maßnahmen zur Information und Aufklärung unterstützt. In vielen Dörfern, in Flüchtlingslagern und in den Slums der großen Städte arbeiten die Jesuiten oft mit Menschen, die nur eine geringe formale Bildung haben. Dadurch sind sie oft leicht manipulierbar und verunsichert, wenn neue und komplexe Informationen auf sie einstürzen. Durch lange Jahre der Begleitung durch die Jesuiten und ihre Mitarbeiter ist ein Vertrauensverhältnis entstanden, so dass deren Anleitungen angenommen und umgesetzt werden.

Mitmenschlichkeit und Sorge

Guterres hat die Corona-Pandemie als Test für die Menschheit bezeichnet. In allen Ländern dieser Erde erleben wir Zeichen unerwarteter Mitmenschlichkeit und Sorge füreinander. Im Zwischenmenschlichen des Alltages fühlen wir uns eingebunden in ein weites Netz von guten Gedanken, Gebeten und Taten. Noch scheint es, dass auf der großen weltpolitischen Ebene die nationalen Egoismen vorherrschen. Es bleibt zu hoffen, dass wir diesen Test bestehen.

Ihre Spende hilft

Jetzt online spenden

MENSCHEN FÜR ANDERE
Verwendungszweck:
Freie Spende

Bank: Erste Bank
IBAN:AT94 2011 1822 5344 0000
BIC:GIBAATWWXXX

Ihre Spende ist gemäß § 4a Abs 2 Z3
lit a bis c EStG steuerlich absetzbar.
ZVR Zahl 530615772 / SO 1345