Der Armut entkommen

Kurz schien es, als wäre die Corona-Pandemie in Myanmar unter Kontrolle. Doch jetzt kommt, wie in so vielen anderen Ländern auch, die zweite, schlimmere Welle. Das ohnehin fragile und vernachlässigte Gesundheitssystem ist überlastet. Viele Menschen sind im Lockdown und können nicht arbeiten. Hunger und Obdachlosigkeit sind die Folge.

Die zweite Welle

Von dem Gebiet Rahkine in Westmyanmar, aus dem die Rohingya vertrieben wurden, breitete sich scheinbar das Virus im ganzen Land aus. Die dort streitigen Parteien wollten keiner Waffenruhe zustimmen. Dörfer wurden niedergebrannt. Menschen verloren ihr Hab und Gut und flohen. In den Slums befinden sich hunderte und tausende Menschen im Lockdown, ohne jeglicher Möglichkeit Geld zu verdienen und ihre Familien zu ernähren. Die Wirtschaft ist mit der Grenzschließung kollabiert, Fabriken geschlossen worden und die Tageslöhner, 70% der Arbeitskräfte, haben ihre Jobs verloren.

Hilfe für Arme und Vertriebene

Die Jesuitenmission in Myanmar unterstützt die Familien in Yangon und im noch ärmeren Taunuggy, und auch die Vertriebenen aus Kachin und Chin mit vielseitigen Hilfsprogrammen. Die Familien erhalten Grundnahrungsmittel, ein Dach über dem Kopf oder die Möglichkeit an Kursen teilzunehmen. Frauen können nähen lernen, Familien können kleine Kredite beantragen, um ein kleines Geschäft aufzubauen oder eine Straßenküche oder einen Gemüsestand zu errichten.

Frauen tragen die Bürde dieser Pandemie

Während des Lockdowns ist nicht nur die Armut größer geworden. Häusliche Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Missbrauch haben zugenommen. Vor der Pandemie verließen jeden Morgen tausende Frauen ihre Häuser in Yangon, um dann in überfüllten Bussen durch die Stadt zu fahren und im Industriegebiet in Textilfabriken zu arbeiten. Dafür erhielten sie einen Mindestlohn von 150 Dollar, mit dem der Lebensunterhalt der Familie – Miete, Lebensmittel, medizinische Versorgung und Bildung der Kinder – finanziert wurde.

Im April schlossen die Fabriken aufgrund der Pandemie. Internationale Bestellungen blieben aus. 60.000 Arbeiterinnen waren damit auf einen Schlag arbeits- und mittellos. Manche hatten Glück und konnten zu ihren Familien ins Dorf zurückkehren. Aber hunderte Frauen hatten keine Alternative, als in den Slums zu bleiben. Hunger und Schulden trieben viele in den Sexhandel.

Die Schicksale der Frauen

P. Cyril SJ, der die Sozialhilfe koordiniert, erklärt: „Diese Frauen sind gute Menschen, die in harter Arbeit Würde suchen. Sie leben in Slums ohne Dokumente und sind Ausbeutung und Schikanierungen ausgesetzt, ohne Hilfsmöglichkeiten. Viele verloren ihre Jobs. Diese Pandemie hat den Lebensunterhalt vieler Menschen zerstört und viele dieser Frauen opfern ihr Leben, um ihre Familien zu ernähren.“

„Ich habe mit 20 geheiratet, 2 Söhne bekommen und von dem Einkommen meines Ehemanns gelebt. Während meiner zweiten Schwangerschaft hatten wir viele Probleme und wir ließen uns scheiden. Ich wurde zur Sexarbeiterin. Ich weiß, dass das dem Ansehen meiner Eltern und Kinder schadet, aber ich muss es tun, um zu überleben. Mit der Pandemie habe ich Schwierigkeiten meine Miete zu zahlen und ich habe Schulden.“

„Als ich 10 Jahre alt war, bin ich mit meiner Familie nach Yangon gezogen. Ein paar Jahre später, ist die ganze Familie auseinandergebrochen und meine Mutter kehrte in ihre Heimatstadt zurück. Sie ließ mich in Yangon zum Arbeiten zurück. Ich bekam einen Job in einer Fabrik und verdiente 100 Dollar im Monat. Einen Teil des Geldes schickte ich meiner Mutter. Mit 19 heiratete ich und bekam zwei Söhne. Mein Ehemann hatte keinen Job und trank jeden Tag Alkohol. Nach der Geburt meines zweiten Kindes, verließ ich ihn. Ich bekam Schwierigkeiten meine Kinder zu ernähren und für meine Mutter zu sorgen. So kam ich zur Arbeit als Prostituierte fand, wo ich 8 Dollar am Tag verdiene. Ich habe versucht dieser Art von Leben zu entkommen, aber ich kann es nicht. Wenn ich nicht arbeite, haben meine Kinder nichts zu essen.“

Ein Weg aus der Armut

Im September wurde in zwei der Camps um Kachin den Frauen ein 8-wöchiger Intensivkurs im Nähen angeboten. Das Projekt soll Frauen und ihre Fähigkeiten stärken, damit sie aus der Armut und der Abhängigkeit rauskommen können. Die burmesische Jesuitenmission war in der Lage, zehn Nähmaschinen und zehn Maschinen zur Herstellung von Pullovern zu beschaffen, mit denen einheimische Frauen für Frauen aus den Camps Kurse abhielten. Die Maschinen werden in den Camps bleiben und den Frauen zur Verfügung stehen, die dank einer Kooperation ihre Stücke verkaufen können. Die kleinen Einkommen helfen dabei, die Familien zu versorgen und ermöglichen den Kindern einen Schulbesuch.

Bildung für eine bessere Zukunft

Junge Mädchen müssen oft die Schule vorzeitig abbrechen, um die Familie zu versorgen. Tausende reisen nach China oder Yangon mit der Hoffnung, eine Arbeit in einer der Fabriken zu finden. Viele werden Opfer von Menschenhandel. Buben können von der Armee zwangsrekrutiert werden oder haben das Problem früh mit Drogen in Kontakt zu kommen. Heroin und Amphetamine sind überall erhältlich und die Versuchung zu dealen oder selbst Drogen zu nehmen, ist groß. Das soll ihnen erspart bleiben. Eine gute Schule zu finden, ist aber nicht einfach. Die meisten Schulen in der Bergregion werden von einer Un­ab­hängig­keitsarmee geführt und von der Regierung nicht anerkannt. Ein Universitätsbesuch ist nur mit Abschluss an einer staatlichen Schule möglich. Dafür wohnen die Kinder in Internaten nahe der Schule. Von den Jesuiten wird solch ein Internat für 20 Buben betrieben. Das Gebäude für die Mädchen galt als unsicher. Dank einiger Spenden kann jetzt ein neues Internat für 50 Mädchen errichtet werden. Mit Bildung können sie der Armut entkommen.

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