Das Leid teilen: Familienbesuche in Beirut

F: JRS Lebanon

Die wirtschaftliche Situation ist verheerend, die politische Lage gespannt, die Corona-Pandemie greift um sich – dazu wächst nach der gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut am 4. August in der libanesischen Gesellschaft das allgemeine Gefühl der Unsicherheit: Knapp 300.000 Menschen haben ihr Obdach verloren, viele suchen ihr Heil in der Flucht. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) konzentriert sich neben materieller Unterstützung auf die psychosoziale Unterstützung betoffener Familien.

Flucht nach Zypern

Hunderte Menschen haben im August versucht, an Bord von Schmugglerbooten von Libanons nördlicher Metropole Tripolis den EU-Mitgliedstaat Zypern zu erreichen, der 160 Kilometer entfernt liegt. Am 14. September stieß die Besatzung eines Schiffs der UN-Friedensmission UNIFIL auf ein havariertes Boot mit 37 Personen. Sechs von ihnen waren tot, darunter zwei Kinder, weitere sechs werden vermisst. Das UN-Flüchtlingswerk UNHCR vermeldet, dass sich in den Wochen nach der Katastrophe von Beirut mindestens 21 Flüchtlingsboote auf den Weg nach Zypern gemacht haben; im gesamten Jahr 2019 waren es nur 17. Die meisten der Flüchtlinge stammen aus Syrien und haben bereits eine Flucht hinter sich. Nach der Explosion und den September-Rekordwerten an COVID-19-Infektionen wollen, vermeldet das Redaktionsnetzwerk The New Humanitarian, aber auch immer mehr desillusionierte Libanesen ihr Land auf dem Seeweg verlassen.

Um die Folgen der Explosion abzufedern, haben die vier jesuitischen Werke im Libanon – das Centre de Jeunesse Chretienne (CJC), das Afro-Asian Migrant Center (AAMC), die Universität St. Joseph und der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) – verschiedene Hilfsmaßnahmen aufgesetzt. Wähernd so kurz- und mittelfristig die Ernährungssicherheit und der Wiederaufbau zerstörter Wohnhäuser gewährleistet werden können, zeigt sich den Mitarbeitern des JRS bei Besuchen betroffener Familien das wahre Ausmaß der Katastophe in den Traumata der Bürger.

Ohnmacht und Solidarität

„Ich habe mir die Geschichten der Familien angehört, die wir besucht haben, und  gespürt, was sie während der Explosion erlebt haben“, berichtet JRS-Mitarbeiter Naim. „Mit ist aufgefallen, dass die meisten Betroffenen sprechen wollen und jemanden brauchen, der ihnen zuhört. Als Teil des Teams für Hausbesuche wurde mir klar, dass sich die Menschen erleichtert fühlen, wenn sie ihren Gefühlen Ausdruck geben können.“

„Während der Hausbesuche habe ich gemerkt, dass es mindestens so wichtig ist, den Betroffenen zuzuhören als mit ihnen Evaluationsbögen auszufüllen“, sagt Mike, einer der Freiwilligen im weitgehend zerstören Stadtteil Bourj Hammoud. „Die Explosion hat viele Menschen dazu gebracht hat, ihr Land zu verlassen, aber ich habe auch bemerkt, dass sich die Menschen gegenseitig unterstützen und versuchen, sich nicht nur auf ihren eigenen Schmerz zu konzentrieren.“

Um die Hilfsmaßnahmen aufrecht zu erhalten, und den Betroffenen einen Neustart in ihrer Heimat zu ermöglichen, sind die Jesuiten im Libanon auf unsere Solidarität angewiesen: Jeder Euro zählt!

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