Über Nini Reichl
Warum ausgerechnet Haiti?
Das haben vor meiner Abfahrt viele gefragt, denen ich von meinem Vorhaben, ein Jahr im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre zu verbringen, erzählt habe. Ein Land, das in den letzten Jahrzehnten vor allem durch politische Unruhen und Naturkatastrophen auf sich aufmerksam gemacht hat. Wenn man einen Reiseführer über Haiti haben will, sucht man vergebens; nur in wenigen Führern der Dominikanischen Republik, mit der sich Haiti die Karibikinsel Hispaniola teilt, werden dem Land ein paar Seiten gewidmet. Eher aber als Warnung, nicht versehentlich die Grenze zu überqueren, so scheint es. Dass die Sklaven Haitis sich aus eigener Kraft von der französischer Kolonialherrschaft befreit und die erste schwarze Republik gebildet haben, bereits rund 160 Jahre vor dem Abzug Frankreichs aus den afrikanischen Kolonien, weiß kaum jemand. An den Reparationszahlungen hat der Staat heute noch enorm zu knabbern.
Das alles und dass ich ein hohes Frustrationspotential und viel Geduld brauchen werde, dass ich nicht mit Sicherheit in einem Haus wohnen kann, wusste ich vor meiner Abfahrt über meinen Einsatz. Mehr nicht. Ich hatte zwei Mal mit meinem Projektpartner vor Ort telefoniert und er meinte, ich solle mehrere Werke im Land besichtigen und mich dann entscheiden, wo ich bleiben werde. Vielleicht war es das alles, was mich herausgefordert hat: Ich wollte nicht in einem Urlaubsland leben und kein fest vorgegebenes Projekt haben.
Wahrscheinlich genau deshalb habe ich mich entschieden, das Abenteuer zu wagen.
Für alle, die mich nicht kennen: ich bin 29 Jahre alt, Innsbruckerin und habe Grafik-Design, Französisch und Geschichte studiert. Ich habe die letztes 5 Jahre in einem Jugendzentrum der Jesuiten gearbeitet. Da ich diese Arbeit heuer im Sommer beendet habe, nütze ich die Gelegenheit, einen lange gehegten Traum zu verwirklichen: ich werde ein Jahr lang in einem fremden Land leben und arbeiten. Eigentlich zog es mich immer ins französischsprachige Afrika, aber von der Idee, nach Haïti zu gehen, war ich auch sofort begeistert. Dort möchte ich gern mit Kindern, Jugendlichen oder Frauen im Bereich Schule, Bildung arbeiten.
Zum Projektpartner: Foi & Joie (span. Fe y alegría) ist eine in den 1950er Jahren in Venezuela vom Jesuiten José Maria Velaz gegründete Bewegung, die den Ärmsten, die es sich sonst nicht leisten könnten, eine qualitative Schulbildung ermöglichen will. Heute gibt es Fe y alegría–Schulen in einigen Ländern Lateinamerikas, Projekte in Afrika sind in Planung. In Haiti werden derzeit mehrere Schulhäuser gebaut.
Wen es interessiert, wie es mir hier so geht und was ich mache, kann gerne auf meinem Blog vorbei schauen, den ich immer wieder updaten werde.
Nini
Inzwischen bin ich schon seit sechs Monaten in Haiti. Damit nicht nur Katastrophenmeldungen über die Medien nach Europa gelangen, möchte ich mich auch wieder einmal bei Euch melden. Was ist seit meinem letzten Rundmail alles passiert? Von Wirbelsturm, Cholera, Wahlfarce … Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Haiti
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Vor 8 Wochen bin ich in Innsbruck aufgebrochen und inzwischen kann ich auch sagen, ich bin angekommen. Höchste Zeit, um über meine ersten Eindrücke und Erlebnisse hier in Haiti zu erzählen…
Veröffentlicht unter Haiti, Mittelamerika
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